Samstag, 25. April 2015



dass ich dem hungrigen zu essen gebe,
dem vergebe, der mich beleidigt, und meine feinde liebe -
das sind große tugenden.

was aber, wenn ich nun entdecken sollte,
dass der armselige bettler und der unverschämteste beleidiger
alle in mir selber sind und ich bedürftig bin,
empfänger meiner eigenen wohltaten zu sein?

dass ich selber der feind bin, den ich lieben muß - was dann?


                                                                    C.G.Jung

Samstag, 18. April 2015

Günter Grass

Für einen der wenigen männlichen Menschen, die willkommen waren,
und sind,
im Frauenzimmer.



(Bild Quelle Wikipedia- Auf dem Blauen Sofa 2006)


Ein Gedicht von Andreas Knapp.


Auferstanden

aus und vorbei 
Schluss und Ende 
Sterben und Tod 

der Erfinder des Lebens aber 
hat das letzte Wort 
sich noch vorbehalten 

steh auf 
gegen die Schwerkraft des Todes 


steh auf wie ein Weizenkeimling 
in verbrannter Erde 
alles vermag der Glaube an Sinn 

wie das frühe Licht
durch dunkle Gitterstäbe 
wächst Hoffnung überlebenslänglich 

wie Funkenflug 
in den verdorrten Dornbusch 
flammt Liebe auf unverlöschlich 


Auferstanden: Andreas Knapp, aus: Tiefer als das Meer, 

Donnerstag, 15. Januar 2015


Wolken von Zärtlichkeit
fangen mich ein
und das Glück beisst
seinen kleinen Zahn
in mein Herz.



Hilde Domin






Montag, 22. Dezember 2014

Slam Poetry und Julia Engelmann

sind für mich gelebte Gedichte und verdichtete Geschichten. Julia Engelmann habe ich irgendwann diesen Monat in einer Talkshow gesehen - und bin fasziniert. Fasziniert von ihren Texten und der Art, wie sie sie vorträgt. Zu sehen bei Youtube.
Auch bei Wikipedia klick kann frau sie finden. Von dort stammt auch das Foto von ihr.



Eines Tages Baby ...

Eines Tages Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.

Ich, ich bin der Meister der Streiche, wenn’s um Selbstbetrug geht. Bin ein Kleinkind vom Feinsten, wenn ich vor Aufgaben steh‘. Bin ein entschleunigtes Teilchen. Kann auf Keinsten was reißen. Lass‘ mich begeistern für Leichtsinn, wenn ein anderer ihn lebt.

Und ich denke zu viel nach. Ich warte zu viel ab. Ich nehm‘ mir zu viel vor und ich mach‘ davon zu wenig. Ich halt‘ mich zu oft zurück, ich zweifel alles an, ich wäre gerne klug – allein das ist ziemlich dämlich. Ich würd‘ gern so vieles sagen, aber bleibe meistens still, weil wenn ich das alles sagen würde, wäre das viel zu viel. Ich würd‘ gern so vieles tun. Meine Liste ist so lang, aber ich werd‘ eh nie alles schaffen – also fang‘ ich gar nicht an. Stattdessen häng‘ ich planlos vorm Smartphone. Wart‘ bloß auf den nächsten Freitag. „Ach, das mach‘ ich später“ ist die Baseline meines Alltags. Ich bin so furchtbar faul wie ein Kieselstein am Meeresgrund. Ich bin so furchtbar faul, mein Patronos ist ein Schweinehund. Mein Leben ist ein Wartezimmer, niemand ruft mich auf. Mein Dopamin, das spar‘ ich immer, falls ich’s nochmal brauche. 

Und eines Tages Baby, werd‘ ich  alt sein. Oh Baby, werd‘ ich alt sein und an all die Geschichten denken, die ich hätte erzählen können. 

Und du? Du murmelst jedes Jahr neu an Silvester die wieder gleichen Vorsätze treu in dein Sektglas und Ende Dezember stellst du fest, dass du Recht hast, wenn du sagst, dass du sie dieses Jahr wieder vercheckt hast. Dabei sollte für dich 2013 das erste Jahr vom Rest deines Lebens  werden. Du wolltest abnehmen, früher aufstehen, öfter rausgehen, mal deine Träume angehen, mal die Tagesschau sehen für mehr Small Talk, Allgemeinwissen. Aber wie jedes Jahr, obwohl du nicht damit gerechnet hast, kam dir wiedermal dieser Alltag dazwischen. 

Unser Leben ist ein Wartezimmer. Niemand ruft uns auf. Unser Dopamin, das sparen wir immer, falls wir’s nochmal brauchen. Und wir sind jung und haben viel Zeit. Warum sollen wir was riskieren? Wir wollen doch keine Fehler machen. Wir wollen auch nichts verlieren und uns bleibt so viel zu tun. Unsere Listen bleiben lang und so geht Tag für Tag ganz still ins unbekannte Land.

Eines Tages Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können. Und die Geschichten, die wir dann stattdessen erzählen, werden traurige Konjunktive sein wie: Einmal, bin ich fast einen Marathon gelaufen. Und hätte fast die Buddenbrooks gelesen. Und einmal wäre ich beinahe bis die Wolken wieder lila waren noch wach gewesen. Und fast, fast hätten wir uns mal demaskiert und gesehen, wir sind die Gleichen. Und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten. Werden wir sagen. 

Und, dass wir bloß faul und feige waren – das werden wir verschweigen und uns heimlich wünschen, noch ein bisschen hierzubleiben, wenn wir dann alt sind und unsere Tage knapp – und das wird sowieso passieren – dann erst werden wir kapieren, wir hatten nie was zu verlieren. Denn das Leben, das wir führen wollen – das könn‘ wir selber wählen. Also lass‘ uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen. Lass‘ uns nachts lange wach bleiben, aufs höchste Hausdach der Stadt steigen, lachend und vom Takt frei die tollsten Lieder singen. Lass‘ uns Feste, wie Konfetti schmeißen. Sehen wie sie zu Boden reisen und die gefallenen Feste feiern, bis die Wolken wieder lila sind. Und lass mal an uns selber glauben. Is‘ mir egal, ob das verrückt ist und wer genau kuckt, sieht, dass Mut bloß auch ein Anagramm von Glück ist. Und, wer immer wir auch waren – lass‘ mal werden, wer wir sein wollen. Wir haben schon viel zu lang gewartet. Lass mal Dopamin vergeuden.

Der Sinn des Lebens ist leben“ - das hat schon Casper gesagt. „Let’s make the most of the night“ – das hat schon Kesha gesagt.Lass’ uns möglichst viele Fehler machen und möglichst viel aus ihnen lernen. Lass‘ uns jetzt schon Gutes säen, damit wir später Gutes ernten. Lass‘ uns das alles tun, weil wir können und nicht müssen. Weil jetzt sind wir jung und lebendig und das soll ruhig jeder wissen.

Und unsere Zeit, die geht vorbei – das wird sowieso passieren. Und bis dahin sind wir frei und es gibt nichts zu verlieren. Lass‘ uns, uns mal demaskieren und dann sehen, wir sind die Gleichen. Und dann können wir uns ruhig sagen, dass wir uns viel bedeuten, denn das Leben, das wir führen wollen, das können wir selber wählen.

Also, los! Schreiben wir Geschichten, die wir später gern` erzählen. Und eines Tages Baby, werden wir alt sein. Oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind.



Julia Engelmann



Dienstag, 14. Oktober 2014

Hannah Arendt

war eine deutsch-amerikanische Politologin. 
"Die Revolutionäre machen nicht die Revolution! Die Revolutionäre sind diejenigen, die wissen, wann die Macht auf der Straße liegt und wann sie sie aufheben können!" - Macht und Gewalt, S. 111

("Revolutionaries do not make revolutions! The revolutionaries are those who know when power is lying in the street and when they can pick it up." - "Thoughts on Politics and Revolution". In: "Crisis of the Republic". Harcourt Brace 1972, p. 206)


Aufmerksam wurde ich auf ihren Todestag durch Google. 
Sie lebte von 1906 bis 1975.
Quelle Bild und Zitat: Wikipedia

Mittwoch, 17. September 2014

Gedanken zum Herbst



In der Vergangenheit habe ich in den Rauhnächten Karten gelegt, Orakel befragt und mich so auf das kommende Jahr eingestimmt.

In diesem Jahr kommen die Fragen nach den Jahresabschnitten früher als gewöhnlich. Und es sind neue Fragen dabei. Es sind Fragen nach der Gegenwart, dem hier und heute. Nach dem schönen Sommer erscheinen Fragen zum Herbst. Zur Herbst-Tag- und Nachtgleiche. Zu meinem Herbst.

Es sind Fragen da, wie ich diesen Winter begehen will. Bewußter Rückzug ins Ich? Kein Rückzug? Weiter machen wie bisher? Was könnte mir entgehen?

Wenn ich mich für den Rückzug entscheide, wie soll er stattfinden? Nur im Inneren, nur im Äußeren? Oder beides zusammen? Ist eine Alternative zum Rückzug sinnvoll?

Will ich mich vorbereiten? Wenn ja, wie? Gibt es Dinge, die im Äußeren getan werden müssen? Was will ich in meinem inneren Haus vorbereiten? Wie sieht mein inneres Haus aus? Ist es ordentlich und herbstfein, wie ich es im Herbstgarten mag? Gibt es einen Tanz in den Herbst?

Welche neuen Räume möchte ich öffnen?

Mein Schatten, ein Thema in diesem Herbst? Gewalt, Dunkelheit, Lilith?

Wo sind meine spirituelle Energien?

Wo ist die Quelle meiner (magischen) Kraft?

Was muß sterben, damit ich leben kann?

Welche Schritte zur Verbindung mit dem Universum wollen getan werden?

Bewegende Gedanken in diesen Tagen von Cambra Skadé, sind gute Wegbegleiterinnen für den inneren Dialog.





Donnerstag, 11. September 2014


Auf Durchreise hier

In Träumen bei dir

Zeit knapp gewählt

Verdichtet, erzählt

In Worten gemalt

Mit Leben bezahlt.